Es gibt Dinge, die erleichtern einem das Leben im Organizing ungemein, z.B. wenn man die richtigen Menschen für die Kampagne gewinnt. Wir reden hier von sogenannten Schlüsselpersonen.

1. Was ist eine Schlüsselperson?

So eindeutig sich der Begriff anhört, so unterschiedlich sind die Menschen die darunter fallen. Es können laute, leise, alte, junge, extrovertierte oder introvertierte Menschen sein. Was sie alle gemeinsam haben, ihre Stimme hat Gewicht, sie haben Einfluss auf ihr Umfeld und ihre Meinung zählt. Unsere Schlüsselperson ist vernetzt und kann Menschen bewegen. Schlüsselpersonen sind oft die, die aufgrund ihres beruflichen Könnens, ihrem Wissen oder anderen Fähigkeiten Ansehen genießen und an denen die Menschen sich gern orientieren.

Häufig neigen wir dazu, die lauteste Person im Raum als wichtig einzustufen. Menschen die von sich sagen, sie haben keine Angst vor der Repression der Gegenseite und sie sagen jedem gerade raus ihre Meinung. Gleichzeitig wundern wir uns dann, wenn die Kampagne stockt und wir nicht weiterkommen, weil sich keine neuen Menschen uns anschließen.

Daher ist es wichtig, an dieser Stelle und auch sonst im Organizing, zu beobachten. Anfänglich zurückhaltende Menschen können sich zu tragenden Aktive in der Kampagne entwickeln.

Wichtig:
Wir wollen nicht die radikale Minderheit, die mit dem Kopf durch die Wand geht, sondern die Mehrheit, die sich meistens erst zu einer entschlossenen Masse entwickeln muss.

Wenn wir also Schlüsselpersonen suchen, müssen wir die Strukturen der Belegschaft, Nachbarschaft oder was auch immer wir gerade organisieren, kennenlernen. Instrumente die wir dafür nutzen müssen sind das 1 zu 1 Gespräch und Aktiventreffen.

In Gesprächen und Aktiventreffen können wir durch gezieltes Fragen diese Personen ausfindig machen. Jeder und jede weiß, wer was zu sagen hat, auf wen die Menschen hören, wem sie vertrauen und wen sie respektieren. Das kann natürlich auch die laute, angstbefreite Person im Raum sein, muss aber nicht.

2. Wie gewinne ich eine Schlüsselperson?

Schlüsselpersonen können für uns oder gegen uns sein. Daraus leiten sich unterschiedliche Ziele ab. Arbeitet sie aktiv gegen uns, wollen wir ihren Aktivismus entschärfen und sie zumindest in die Passivität bringen, sozusagen einen Friedensvertrag schließen oder sogar für uns gewinnen. Nach dem Motto „Du findest uns scheiße, aber lass uns ungestört arbeiten.“ Ist sie unentschlossen, wollen wir sie für uns gewinnen.

Unabhängig was im konkreten unser Ziel ist, haben wir vor dem Gespräch mit dieser Person ein paar Fragen zu beantworten:

  • Wie ist ihre Einstellung zur Kampagne?
  • Welche Themen bewegen sie?
  • Warum sollte sie mitmachen, welchen Nutzen hat sie davon?
  • Welche Bedenken könnte die Person haben?
  • Was ist der Schlüsselperson wichtig? Also beispielsweise Anerkennung vom Chef oder Respekt von ihrem Umfeld.
  • Wie hat sie sich in der Vergangenheit verhalten in kritischen Situationen?
  • Wen kenne ich bereits, der aus ihrem nahen Umfeld ist?

Die Liste an Fragen lässt sich noch weiter fortführen, wichtig ist in diesem Fall, dass wir vor dem Gespräch mit unserer Schlüsselperson versuchen so viele Antworten wie möglich zu finden. Das schaffen wir nur, wenn wir gezielt andere Personen aus ihrem näheren Umfeld in einem 1 zu 1 Gespräch dazu befragen.

3. Entwicklung von Aktiven

Wir werden in einer extra Folge auf das gezielte weiterentwickeln von Aktiven eingehen. Wichtig ist gerade bei dem Thema Schlüsselpersonen: Menschen wachsen mit ihren Aufgaben! Jemand, der zu Beginn der Kampagne noch wenig Verankerung bei den Leuten oder wenig Einfluss hatte, kann durch sein Engagement wachsen und zu einer zentralen Person werden. Es ist unsere Aufgabe als Organizer*innen in der Kampagne die Menschen mit ihren Stärken und Schwächen zu sehen und sie zu fördern.

Als Beispiel, ein Aktiver ist extrem motiviert und schießt regelmäßig über das Ziel hinaus. Die Folge, alle anderen sehen in ihm einen kleinen Radikalinski und vertrauen ihm nicht. Sie haben Angst, dass er durch seine vorschnelle Art sie gegen die Wand fährt. Wir können diese Person gezielt in die Entwicklung der Kampagnenschritte mit einbeziehen:

Warum fangen wir erst mit niedrigschwelligen Aktionen an, warum führen wir erst Gespräche bevor wir in die Konfrontation gehen, warum dauert es mehrere Monate und nicht mehrere Wochen, bevor wir auf der Straße stehen usw.

Dadurch kann sich im Idealfall das Bewusstsein verändern und unser Radikalinski bewahrt seine Motivation, setzt sie jetzt aber strategisch ein. Der Blick der anderen wird sich dadurch mit der Zeit auch verändern und er kann eine führende Rolle einnehmen.

4. Fazit

Organizer sind faul. Unser größtes Ziel ist es, uns überflüssig zu machen. Das schaffen wir, wenn wir beispielsweise irgendwann nicht mehr selbst die 1 zu 1 Gespräche führen müssen, sondern die Aktiven Feuer gefangen haben und selbst unterwegs sind. Schlüsselpersonen erleichtern einem dabei das Leben ungemein und sind entscheidend für den Erfolg einer Organizing Kampagne. Häufig haben sich auf einem Schlag eine ganze Reihe an Menschen einer Kampagne angeschlossen, weil wir eine Schlüsselperson für die Kampagne gewinnen konnten.

Das ist einfach zu erklären, sie genießen das Vertrauen der Menschen und können sie mobilisieren. Einmal die richtigen Menschen in Bewegung gebracht, rollt der Zug unaufhaltsam bis zum Sieg 😉

Deswegen als grundsätzlicher Tipp „work smart not hard“ und bleibt dadurch gesund.

Wie immer klingt in der Theorie alles logisch und leicht umzusetzen, in der Praxis stellt es sich dann als komplexer als von uns geschildert heraus. Geht raus und sammelt Erfahrungen, wir freuen uns auf euer Feedback und organisiert Euch!