In diesem Baustein der „Organisier Dich! Basics!“ geht es um das Grundprinzip des Organizings, das AHA Prinzip. AHA = Anger-Hope-Action auch WHA, Wut-Hoffnung-Aktion.

Anger-Hope-Action ist ein Dreischritt der sich in einer Kampagne überall wiederfindet, in 1 zu 1 Gesprächen, Aktiventreffen, in Reden, auf Flyern…

Die Folge könnt ihr hier anhören:

https://www.podcaster.de/simpleplayer/?id=show~hcyqm7~klassenfrage~pod-5ff7583d429fd893686407&v=1610369193

Das Prinzip an sich ist simpel und doch genial. Wir kennen es alle aus der Werbung:

Anger Teil:
Du hast einen Grasfleck, der nicht mehr aus deinem weißen T-Shirt verschwindet? Du hast alle Waschmittel probiert, aber nichts hilft?

Hope Teil:
Keine Sorge, jetzt gibt es die Lösung für dich. Waschmittel X,Y hilft. Hier noch ein Vergleichsbild, herkömmliches Waschmittel und das Wunderwaschmittel.

Action Teil:
Kaufe jetzt das Wunderwaschmittel und deine Sorgen sind Geschichte. Übrigens sind nur noch 10 auf Lager und wir haben extra für dich den Preis nur für kurze Zeit reduziert…

In der politischen Realität ist es leider nicht ganz so einfach. Häufiger als wütende, treffen wir resignierte Menschen.

Dann hören wir sowas wie: „Das bringt doch sowieso nix.“ „Daran kann man eh nix ändern.“ „Bei mir passt alles, ich hab keine Probleme.“

Das ist in vielen Kampagnen unsere Ausgangsbasis. Verständlich, der Mensch richtet sich irgendwann im schlimmsten Elend ein und findet eine Nische in der es sich aushalten lässt. Gewöhnung ist unser größter Feind.

Wollen wir dieses Unrecht in welcher Form auch immer beseitigen, müssen wir den Blick der Menschen ändern. Im Organizing brauchen wir daher die Emotionalität der Menschen, denn nur so bekommen wir sie bewegt.

Schauen wir uns die drei Schritte bei AHA/ Anger-Hope-Action genauer an:

1. Anger

Wir greifen die Ungerechtigkeit auf, spitzen sie zu und streuen richtig Salz in die Wunde.

Beispiel Rede:
„Der Chef kauft sich einen neuen Porsche, während 100 Kolleginnen und Kollegen gekündigt werden sollen.“

Beispiel Flyer:
„Vonovia hat im Jahr 2020 erneut ihre Dividende erhöht und das auf unserem Rücken, weil wir mehr Miete zahlen müssen.“

Beispiel Gespräch:
„Du musst jeden Tag 5 Kilometer zur nächsten Bushaltestelle laufen, weil die vor deiner Haustüre nicht mehr angefahren wird? Dadurch verlierst du doch jeden Tag Zeit, die du mit deiner Familie und deinen Kindern verbringen könntest?“

Wichtiger Hinweis!
Das Thema muss von den Menschen kommen und im Vorfeld gefunden werden. Manchmal geschieht es auch, dass Themen plötzlich aufkommen, das erspart uns eine langwierige Suche. Jedoch braucht es vor jeder Kampagne erst den Realitätscheck. Wir brauchen bei diesem Check eine Antwort auf die Frage „Wo drückt der Schuh bei den Menschen im Viertel?“. Und nicht zu viele Themen gleichzeitig bearbeiten. Klarheit ist wichtig.

Um diese Antwort zu finden, gibt es Werkzeuge wie das 1:1 Gespräch, Umfragen, Telefonaktionen, Haustürgespräche usw. Das Thema finden wir durch aktives zuhören und vielen, vielen Gesprächen mit den Menschen.

2. Hope

Die Menschen sind wütend. Das ist nur gut, wenn wir ihnen jetzt auch Hoffnung auf Veränderung geben können. Wir gehen in ein Gespräch, eine Kampagne oder eine Aktion immer mit einem Plan der leicht verständlich ist und einer einfachen, aber klaren Botschaft.

Beispiel bei einer großen Haustür Aktion:

Die Botschaft:
„Wenn du alleine aufs Amt gehst, um das Problem zu verändern, können sie dich ignorieren. Jetzt stell dir vor alle gemeinsam stehen vor dem Rathaus und fordern eine Veränderung. Gemeinsam sind wir stark. Das können sie nicht ignorieren.“

Der Plan:
„Das Problem das du geschildert hast haben mir auch viele andere Menschen geschildert. Wir sprechen heute mit allen Mieter*innen hier im Viertel und laden sie zu einem Aktiventreffen am 14. März, um 13 Uhr in die Kneipe um die Ecke ein. Da wollen wir gemeinsam diskutieren, wie wir das Problem zusammen vom Tisch bekommen und danach zusammen handeln.“

3. Action

Am Schluss erwarten wir eine Handlung von dieser Person oder Personengruppe. Jeder Plan basiert auf kollektiven Momenten der Begegnung und Handlung. Beispielsweise laden wir zu einem ersten Aktiventreffen ein oder wollen eine kollektive Unterschriften Übergabe machen oder wollen eine Unterschrift bekommen.

Die Person hat ein Problem. Wir haben einen Plan, wie wir das kollektiv lösen können und jetzt ist die Person dran selbst einen Schritt zur Lösung des Problems zu machen. Das ist der schwierigste Teil an dem Ganzen.

Egal ob wir von einem Aktiventreffen sprechen das nach dem AHA Prinzip aufgebaut ist oder einem Gespräch mit einer Person in der Nachbarschaft. Am Ende steht immer eine Verabredung, ein nächster Schritt, eine klare Handlung.

Zusammenfassung:

AHA/ Anger-Hope-Action ist immer die Grundlage für alles beim Organizing. Kampagnenplanung, Aktiventreffen, Flyerbotschaft und 1 zu 1 Gespräch.

Anger: Wir brauchen die Themen der Menschen. Holen sie aus der Resignation und machen sie richtig wütend.

Hope: Es gibt eine Lösung für das Problem. Wir brauchen einen verständlich Plan mit einer klaren Botschaft dahinter. Unser Plan behandelt kollektive Themen, die nur kollektiv gelöst werden können.

Action: Daher brauchen wir Dich! Mit deiner Handlung oder deinem Engagement machst du eine Veränderung möglich. Ohne dich können wir nichts verändern. Die wichtigste Frage: Bist du dabei?

Die Idee, eine Situation muss nur schlimm genug sein, dann entsteht eine Bewegung können wir nicht bestätigen. Wichtig ist, dass die Menschen verstehen, dass sie in ihrer Situation nicht alleine sind, dass die Situation änderbar ist und dass sie es selbst ändern können, wenn sie sich zusammenmen schließen und einen Plan verfolgen.

Weitere Beiträge wie „AHA! Anger-Hope-Action“ findet ihr hier:

Basics Archives – Organisier Dich! (organisier-dich.info)

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