Als Organizer gehen wir strukturiert und mit viel Liebe zum Detail in eine Kampagne oder Auseinandersetzung. Wir wollen zu jederzeit einen genauen Überblick darüber haben, wie stark sind wir? Wo sind unsere blinden Flecken? Diese Übersicht erarbeiten wir uns im Mapping. Im betrieblichen Kontext spricht man auch von einer „Betriebslandkarte“, wir werden einfachheitshalber die englische Variante verwenden.

Wir möchten heute auf zwei Methoden eingehen:

1. Das Mappen mit einer Liste
2. Das Mappen auf einer Karte


Nur diese zwei Methoden zusammengenommen ergeben ein rundes Bild.

Hier könnt ihr die Folge auch anhören:

1. Das Mappen mit einer Liste

Liste oder Datenkrake, es läuft aus dasselbe hinaus. In unserer Mapping Liste laufen alle Daten die wir ergattern können zusammen. Meldet sich jemand bei unserem Newsletter an, steht er oder sie darin. Füllt uns jemand am Infostand eine Kontaktkarte aus, landet er oder sie in der Liste. Führen wir ein 1 zu 1 Gespräch landet das Ergebnis darin. Kurz gesagt, alle Informationen, die wir über die Personen bekommen können, landen in unserer Mapping Liste.

Das klingt nach Stasi oder NSA, ist aber unglaublich wichtig. Im Idealfall können wir je nach Fragestellung in unserer Excel Liste filtern wer beispielsweise wie oft an einem Aktiventreffen teilgenommen hat, wer Aufgaben übernimmt oder Menschen für die gemeinsame Sache gewinnt, aber auch wie viele Gegner haben wir, wer steht uns zurückhaltend gegenüber usw. usf.

Wann ist die Liste komplett?

Wir erinnern uns zurück, beim Organizing ist die Gesamtheit beispielsweise einer Belegschaft, Nachbarschaft oder eines Stadtteils unsere Zielgruppe. Das heißt, im Idealfall umfasst unsere Liste alle diese Menschen. Im Betrieb geht das je nach Betriebsgröße relativ einfach, im Stadtteil wird das ganze schon schwieriger. Umso wichtiger ist es, dass wir jede Gelegenheit nutzen, um unsere Daten zu ergänzen.

Was muss in die Liste?

Ganz klassisch, der Name, Kontaktmöglichkeiten wie Adresse, Handynummer, E-Mail oder Festnetznummer. Im Betrieb brauchen wir die Abteilung und den Beruf, im Stadtteil wäre das die Adresse. Bei Gewerkschaften oder Parteien tragen wir in ein Feld ein, ob jemand Mitglied ist oder nicht. Dann haben wir ein Feld für das Rating, wie das genau funktioniert erfahrt ihr in der Folge dazu, und ein Feld für Anmerkungen, wo beispielsweise Themen der oder Informationen über die Person rein können.

Wenn wir das haben, haben wir die Basis geschaffen. Danach geht es weiter entweder in derselben Liste oder wir erstellen eine extra Übersicht für unsere Aktiven beispielsweise in einem anderen Reiter oder einer extra Datei.

Die Aktivenliste

Hier tragen wir ein wie oft welche Person an Aktiventreffen teilgenommen hat, wer welche Aufgabe übernimmt und am Ende ob sie auch umgesetzt wurde. Wir wollen wissen wer für eine Aktion zusagt und ob diese Person dann auch kommt, wer wen mobilisieren will und ob diese Person dann auch mobilisiert wurde. Bei Aktionen wie einem Streik schauen wir, wer hat teilgenommen, um im Nachhinein einschätzen zu können wo wir stark aufgestellt sind und wo wir nacharbeiten müssen.

Je nach Kampagne kann unsere Ausgangsliste kopiert und auf die Kampagne angepasst werden. Dadurch hat man am Ende immer die gleiche Datenlage, aber behält einfach die Übersicht.

Wichtiger Hinweis:
Eine solche Liste ist kein Geheimnis, wir sind kein Geheimdienst. Klar müssen wir den Datenschutz ernst nehmen, allerdings wollen wir auch unsere Kernaktiven fit machen strukturiert zu arbeiten und diese Arbeitsweise als Standard zu etablieren. Bildung ist ein zentraler Bestandteil des Organizing. Daher ist es wichtig als Organizer beispielsweise die Aufgabenverteilung „Wer macht was bis wann“ transparent festzuhalten und das Ergebnis auch transparent zu diskutieren. Das ist auf der einen Seite ein gewisser sozialer Druck die Aufgabe wirklich zu erledigen, auf der anderen Seite schafft es eine verbindliche Arbeitsatmosphäre wo jeder genau weiß wie gut oder schlecht eine Kampagne läuft.

2. Das Mappen auf einer Karte

Parallel zu unserer Liste erstellen wir eine strategische Übersicht, die wir mit einem Blick überschauen können. Die Informationen aus unserer Liste können wir da natürlich perfekt einfließen lassen. Für eine Stadtteil eignet sich eine Landkarte, bei einem Betrieb zeichnen wir uns den Grundriss der Firma auf oder erstellen eine Übersicht für jede Abteilung.

Wir wollen jetzt wissen, wo ist eigentlich wer. Wo sind unsere Unterstützer*innen, wo sind unsere Gegner. Wo sind strategisch wichtige Knotenpunkte beispielsweise für Flyer Aktionen. Welche Strecke nehmen die Menschen morgens, wenn sie in den Betrieb gehen, wo sind im Stadtteil Bushaltestellen oder Cafés die viel frequentiert werden usw. usf. Wir zeichnen das alles in unsere Karte ein. Das Erarbeiten der Karte eignet sich sehr gut für ein Aktiventreffen oder ein 1 zu 1 Gespräch, um das Wissen unserer Aktiven direkt einfließen zu lassen und ihnen die Methode näher zu bringen. Gleichzeitig schaffen wir ein gemeinsames Bild der eigenen Wirkmächtigkeit.

Was ist der Mehrwert einer bildlichen Darstellung?

Häufig fragen wir uns z.B. im Betrieb warum manche Personen kein Mitglied werden, obwohl andere sich vermehrt organisieren. Ein Blick auf das Mapping kann dabei helfen zu sehen, in welcher Abteilung diese Person arbeitet und ob z.B. eine Schlüsselperson in direkter Nähe arbeitet, die uns negativ gesinnt ist. Was Schlüsselpersonen genau sind erfahrt ihr in der dazugehörigen Folge.

Diese Übersicht hilft uns strategisch vorzugehen und bei der Kommunikation Schwerpunkte auf schlecht organisierte Bereiche zu setzen. In den Abteilungen wo wir stark sind reicht es den Flyer verteilen zu lassen, in anderen sollten wir mit einer guten Kommunikationen und unseren starken Aktiven in Einzelgespräche gehen und versuchen Schlüsselpersonen für uns zu gewinnen oder sie zumindest zu entschärfen.

Noch einmal zusammengefasst worauf es ankommt beim Mapping:

1. Ein Überblick des Kräfteverhältnisses
2. Wir können genau einschätzen wo wir stark sind und wo nicht

3. Wir brauchen eine Liste mit Namen und Informationen und eine Landkarte/ Betriebslandkarte auf der wir alles überblicken können

4. Wir vermitteln das Mapping an unsere Aktiven und beziehen sie mit ein

Tipps:

  • Brandschutzpläne geben eine perfekte Übersicht über eine Firma und können als Grundlage verwendet werden
  • Der Liniennetz sollte die Grundlage im ÖPNV sein
  • Die online Karte wie z.B. von https://www.openstreetmap.de/ liefern eine gute Grundlage für einen Überblick über die Nachbarschaft
  • Für eine Liste nutzt man am besten Excel oder eine OpenSource Alternative
  • Die Listen müssen gut gesichert gespeichert werden

Ihr habt noch gute Tipps? Schreibt sie in die Kommentare, wir ergänzen dann die Liste!

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