Jane McAlevey ist eine über die Grenzen der USA hinaus bekannte Organizerin, Aktivistin und Sozialwissenschaftlerin. In ihrer 2015 in den USA erschienenen Dissertation ›No Shortcuts‹ rechnet sie – basierend auf ihren eigenen Organizing-Erfahrungen- mit dem in den letzten Jahrzehnten etablierten Modell gesellschaftlicher Veränderungsstrategien ab. So betreiben politische Bewegungen, Parteien und Gewerkschaften in ihren Augen heute vor allem Advocacy und Mobilizing. Advocacy beschreibt dabei einen Stellvertreter-Ansatz, bei dem bezahlte Anwält_innen, Wissenschaftler_innen oder PR-Agenturen sich für die Anliegen einer bestimmten Zielgruppe einsetzen, ohne diese in irgendeiner Weise in ihre Arbeit einzubeziehen. Mobilizing geht darüber hinaus, weil es eine große Anzahl an Menschen in die direkte Auseinandersetzung mit einbezieht. Bei diesen handelt es sich aber in der Regel um immer die gleichen, engagierten Aktivist_innen, die sich auf verschiedenen Ebenen für die gute Sache einsetzen, ohne jedoch ihre Kolleg_innen oder ihre Community zu aktivieren. Schlüsselakteure für Veränderung sind nicht die normalen Menschen, sondern ›Berufsaktivist_innen‹, denen relativ egal ist, wer zu einer Aktion auftaucht, so lange die Masse für ein gutes Twitter-Foto ausreicht.

McAlevey fokussiert dagegen auf eine Rückbesinnung auf Deep Organizing, wie es von den US-amerikanischen Gewerkschaften bereits in den 1930er Jahren praktiziert wurde. Hierbei soll die Handlungsmacht zurück in die Hände der ›normalen Menschen‹ gegeben und es ihnen ermöglicht werden, auch unter schwierigen Bedingungen Erfolge zu erzielen. Zentrale Akteure sind weder bezahlte Hauptamtliche noch altgediente Aktivist_innen, sondern die große Masse der von gesellschaftlichen Ungerechtigkeiten betroffenen Menschen, die bislang nie politisch aktiv waren. Eine besondere Rolle kommt dabei in den Belegschaften besonders respektierten Kolleg_innen, den organic leaders, als Schlüsselfiguren erfolgreicher Organisationsprozesse zu. McAlevey geht dabei von Gewerkschaften als zentralen Klassenorgianisation arbeitender Menschen aus, betont jedoch immer wieder, dass ihr Ansatz auch geeignet ist, um linke Parteien und Bewegungen substanziell zu stärken und eine erfolgsversprechende Strategie gegen globalen Rechtsruck und neoliberale Offensive anbieten kann.

Englisch:

McAlevey, Jane (2016): No Shortcuts. Organizing for Power in the New Gilded Age. Oxford University Press.

Deutsch:

McAlevey, Jane (2019): Keine halben Sachen. Machtaufbau durch Organizing. Hamburg: VSA.

Online unter: https://www.rosalux.de/fileadmin/rls_uploads/pdfs/sonst_publikationen/VSA_McAlevey_Keine_halben_Sachen.pdf


 

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